x mess Die Konferenz zur [nächsten] Gesellschaft

wog | 13. Dezember 2011

ein Beitrag von Hans Bodingbauer
3 Tage lang diskutierten und arbeiteten Berater und Manager, hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum, an Vorstellungen und Ideen zu den Herausforderungen der nächsten Gesellschaft. Berlin, jüngste Weltmetropole, war auch der richtige Ort, an dem man darüber gut diskutieren und denken kann.
Hier ein paar erste Gedankensplitter aus der Keynote von Dirk Baecker:
„Jedes neue Verbreitungsmedium konfrontiert die Gesellschaft mit neuen und überschüssigen Möglichkeiten der Kommunikation, für deren selektive Handhabung die bisherige Struktur und Kultur der Gesellschaft nicht ausreichen.“ – Dirk Baecker (Studien zur nächsten Gesellschaft, 2007), und das erleben wir gerade hautnah in der Entstehung der 4. Gesellschaft.
Die erste war die tribale Gesellschaft, die sich mit der Entwicklung der Sprache geformt hat, die zweite war die antike Gesellschaft, sie entstand dank der Schrift. Die moderne Gesellschaft konnte sich aufgrund der Erfindung des Buchdruckes entwickeln.
Die vierte Gesellschaft wird gerade durch den Computer geformt und Soziologen sprechen von der Netzwerkgesellschaft. Sie ist gekennzeichnet durch komplexe, verknotetet Verhältnisse, in der jede Person, die sich an den Netzwerken beteiligt, sich dem Druck aussetzt „ständig“ kommunizieren zu müssen, damit die, mit denen man im Netzwerk kommuniziert, es auch weiterhin tun. D.h. die vierte Gesellschaft wird eine unruhige Gesellschaft.
Da wir weiterhin sprechen, unsere Handschrift nutzen und drucken werden, wird es komplizierter und wir müssen lernen damit umzugehen. D.h. die alten „Gesellschaften“ bestehen weiter, aber die 4. kommt dazu.
Spannend sind auch einige Gedanken zu einigen Herausforderungen der 4 Gesellschaften:
  • Sprechen erlaubt es uns auch lügen zu können.
  • Schrift heißt, was aufschreiben zu können, ohne dass der/die andere weiß, was ich mir davon merken werde und was ich damit verbinde.
  • Drucken heißt, niemand kann mehr kontrollieren, was davon an wen verbreitet wurde und wer was gelesen hat.
Computer und Netzwerke: Die große Herausforderung ist, dass diese Rechner rechnen, ohne dass wir wissen oder nachvollziehen können, was die rechnen und sonst noch alles tun. Wir haben nur den Blick auf die Ergebnisse der Algorithmen und müssen erst lernen damit richtig umzugehen. (Aktuelle Beispiele aus dem Finanzsektor führen uns gerade vor, welche Ohnmacht entstehen kann, wenn Computer Handel betreiben oder Ratings erstellen)
Zum Schluss wieder Dirk Baecker: “Die These (der 4 Gesellschaften) ist historisch grob geschnitzt, weil sie zahlreiche Differenzen unter den Sprachen und Schriften menschlicher Gesellschaften ebenso vernachlässigt, wie die sozialen Auswirkungen von Fotografie, Film und Fernsehen, aber sie erweist ihren heuristischen Wert darin, dass sie das Auftreten eines neuen Verbreitungsmediums der Kommunikation nicht primär als ökonomisch willkommene Senkung der Transaktionskosten menschlicher Verständigung interpretiert, sondern als Überforderung bis dato bewährter gesellschaftlicher Strukturen, die kulturell auf die neuen Möglichkeiten umgestellt werden müssen, wenn die Einführung des neuen Verbreitungsmediums gelingen soll.“ (Aus Dirk Baecker: Stadtluft macht frei).
Was sind die neuen Strukturen, wie kommen wir zu neuen gesellschaftlichen Strukturen der 4. Gesellschaft, zum Wohle aller Menschen? Ich freu mich auf eine spannende Diskussion.

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