Eva Grieshuber | 16. Dezember 2011
Sieht die [nächste] Gesellschaft, die Gesellschaft der Zukunft, anders aus? Wenn ja, wie sehen Organisationen der Zukunft aus? Diese Frage stand am zweiten Tag der
xmess, Konferenz zur nächsten Gesellschaft im Mittelpunkt. Spannend war nicht nur die Frage selbst, sondern auch die Methode der Erforschung: Zunächst stand Feldforschung am Programm, danach zurück im Konferenzzentrum, selbst Prototypen bauen, in manueller Tätigkeit Erkenntnis gewinnen, im Dialog weiter nachforschen.
Feldforschung heißt konkret: Eintauchen in, Besuchen und Beobachten von möglichen Formen und Prototypen zukunftsfähiger Organisationen. Erforscht wurden da etwa aufregend neue Formen von Lernkultur in der
evangelischen Schule Berlin Zentrum; Firmen, deren Mission darin liegt, mit Transparenz und Dialog die Welt grüner zu machen wie
WeGreen; konsequent umgesetzte Innovation, Kreativität und Designorientierung in den
Telekom Laboratories oder auch neuartige Interpretationen von sehr traditionellen Organisations- und Rechtsformen oder sehr vitale, reale Netzwerke als Systeme in Systemen auf dem
Planet Modular .

„Wir gehen in den Dschungel und nicht in den Zoo“ – Das Telekom Creation Center etwa ist so etwas wie der Nukleus für die konsequent an NutzerInnen ausgerichtete Ideen- und Produktentwicklung. Ähnlich wie
IDEO ist das T-Lab Zentrum für kreative Entwicklung mit KundInnen, Produktmanagement, Innovationsmarketing, Unis/Forschung – um nur einige zu nennen. Das interdisziplinäre Team füllt dabei verschiedenste Rollen aus: Einbringen von Fachkompetenz – v.a. zum Innovationsansatz „Design Thinking“, vor allem auch Entwicklungsprozesse gestalten, Kommunizieren und Brücken bauen – innerhalb des Konzerns und nach außen hin. Buchtipp:
Schmolze: Unternehmen Idee, Campus Verlag, Frankfurt, 2011. Ein wenig mehr dazu demnächst auch auf diesem Kanal.
Fast Galaxien weit weg von Konzernlogiken ist auch Planet Modulor – Zentrum für Kreative und Handwerk, Sozial- und Kulturprojekte am Moritzplatz in Berlin. Auch hier gibt es viel Spannendes zu sehen: Einerseits die scheinbar traditionelle Vereinsform mit Einstimmigkeitsprinzip – egal, wie groß oder klein. Kostenteilung erfolgt nach einem einfachen Prinzip – der in Anspruch genommenen Fläche, Entscheidungen werden im Dialog erarbeitet. Spannend ist auch das Angebotsspektrum: Im Prinzip gibt es hier alles, was professionelle, aber auch private Kreative für die Umsetzung ihrer Ideen benötigen: verschiedenste Materialien auf 3 riesigen Etagen, und dazu unterschiedlichste Handwerksdienstleistungen. Die Wertschöpfungstiefe, die man letzlich kauft, kann man etwa frei wählen: vom Material bis hin zum fertigen Werk, und alles dazwischen … Konsequente Kundenorientierung oder Co-Creation könnte man das nennen. Und, last but not least, auch die Netzwerk-Organisation ist spannend: Handel und Dienstleister bilden ein Netzwerk unterschiedlichster Subsysteme, und bilden zugleich mit anderen "Prototypen für die Zukunft" (wie die
Prinzessinnengärten) selbst Teil eines Netzwerkes, in dem ganze Stadtteile ein neues Gesicht bekommen [to be continued ...]